Resilienz – Ich halte das (nicht mehr) aus…

Das Leben jedes Menschen, mit allen seinen Höhen und Tiefen ist durch den Menschen selbst in hohem Grade formbar.


Herausfordernde, widrige Lebensumstände lassen sich nicht immer vermeiden, aber der Umgang mit ihnen erfordert selbstverantwortliches Handeln – sein Leben in die Hand zu nehmen und nach eigenen Möglichkeiten zu formen. Was einem zuerst schwer und unüberwindbar erscheint, bedeutet letztendlich Freiheit im Sein – wenn man dazu bereit ist, seine ganz persönliche Komfortzone zu verlassen.

Jede Krise beinhaltet auch eine Chance

Krisen verursacht durch Leid, Tod und Schuld sind in unserer Gesellschaft verständlicherweise sehr negativ besetzt und bedeuten eine Bedrohung für unser Wohlbefinden, oft auch sogar für unser Leben. 

Doch diese Betrachtungsweise ist einseitig, Krisen können auch Chancen bedeuten die es möglich machen, sich weiterzuentwickeln. Plötzlich öffnen sich Horizonte vor unserem inneren Auge; vorher konnten wir sie nicht sehen, erst das erfahrene Leid hat uns sehend gemacht. Krisen markieren den Übergang von einer Lebensphase in eine Andere. Zur Bewältigung braucht der Mensch neue, ihm unbekannte Lebensstrategien und Denkmuster.

Resilienz, die Fähigkeit der Stehauf-Menschen

Martin Luitjens und Ulrich Siegrist definieren Resilienz wie folgt: Die Fähigkeit, Krisen durch Nutzung persönlicher und sozial vermittelter Ressourcen zu meistern und sich dabei weiterzuentwickeln.

Die Ressilienzforschung beschäftigt sich vor allem mit der Frage: “ Was erhält den einen Menschen unter ungünstigen Bedingungen gesund und warum wird ein anderer Mensch unter ähnlichen Bedingungen krank?”

Emmy Werner, eine US – amerikanische Entwicklungspsychologin sagt, dass Resilienz das Endprodukt eines Prozesses ist, welches Risiken und Stress nicht eliminiert, Menschen aber ermöglicht, damit effektiv umzugehen.

Wie resilient ein Mensch ist, zeigt sich in Belastungssituationen an der Fähigkeit, Potenziale und Ressourcen in den Blick nehmen zu können und daruf entsprechend zu reagieren.


Die gute Nachricht: Resilienz kann erlernt werden!

Resilienz ist eine Fähigkeit bzw. eine Fertigkeit die jeder Mensch in jedem Lebensalter aufbauen kann. Der Mensch kann diese Widerstandskraft also trainieren und verbessern und so lernen, mit seelischen Schmerzen und Stresssituationen besser umzugehen.

Stress tritt vor allem dann ein, wenn wir uns geistig dem widersetzen, was uns das Leben bringt. Menschen, die sich schmerzlichem Leid durch Schock, Verleugnung und Angst zu widersetzen versuchen, leiden mitunter am meisten. Jedoch beschränkt sich Resilienz nicht ausschließlich auf kognitive Fähigkeiten, sondern beinhaltet auch das Zugreifen auf soziale und materielle Ressourcen. Näheres dazu erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

 

10 Wege um Resilienz aufbauen zu können

Mitglieder der amerikanischen Psychologenvereinigung APA,  American Psychological Association, haben das Phänomen gründlich untersucht und benennen 10 Wege, um Resilienz erlernen und verbessern zu können. Hier der Link zum Original APA

1.Soziale Beziehungen

Gerade in krisenhaften Zeiten ist es besonders wichtig, wenn man auf soziale Beziehungen zurückgreifen kann. Menschen die einem Halt geben, für einen da sind und ein offenes Ohr haben, sind in schwierigen Zeiten besonders wichtig. Dieses soziale Umfeld gilt es in “guten Zeiten” zu pflegen. Das können zum Beispiel Familie oder Freunde sein, Menschen mit den gleichen Hobbys, religiöse Gemeinschaften, Arbeitskollegen….um nur einige Möglichkeiten zu nennen. Sehr hilfreich ist es auch “in guten Zeiten” selbst etwas für das Gemeinwohl beizutragen, sich für Schwache, Bedürftige und sozial Benachteiligte einzusetzen. Selbst in der Krise, kann man im Dienst am Nächsten unglaublich viel Kraft schöpfen.

2.Zukunftorientiertes Denken und Handeln

Auch wenn es in Anbetracht so mancher Krisen-Situation absurd erscheinen mag, aber Krisen bedeuten nicht das Ende. Sie sind nicht unüberwindbar, bedeuten vor allem eine Chance, die Verantwortung über sein Leben zu übernehmen und das Beste aus der gegenwärtigen Situation zu machen. Hilfreich kann auch die Frage sein: “Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, wann waren in meinem Leben Krisen Chancen?”

3.Flexibel und offen für Wandel bleiben

Das Leben bedeutet stets Weiterentwicklung und nicht Stillstand, dadurch entstehen oft Reibungspunkte. Das darf so sein. Wichtig und hilfreich ist es diese Veränderungen die jedes Leben mit sich bringt zu akzeptieren und zuzulassen. Gefühle sind wichtig und müssen sein! Trauer, Wut und Mitgefühl darf einen aber nicht so vereinnahmen, dass daraus Verbitterung entsteht, die einen letztendlich lähmt oder sogar krank macht.

4.Probleme angehen

Probleme lösen sich in den seltensten Fällen von alleine, meist verschärfen sie sich sogar wenn man sie ignoriert.
Was hindert einen daran Neues zu wagen? Was hilft einen Neues zu wagen?
“Wer etwas will, sucht Wege. Wer etwas nicht will, sucht Gründe.” Harald Kostial

5.Dranbleiben – Durchhalten

Resiliente Menschen unterscheiden sich von weniger resilienten, dass sie auch wenn es mühsam wird, dran bleiben. Sie machen Dinge TROTZ-dem und “lassen sich von sich nicht alles gefallen” ( V.Frankl)
Sehr hilfreich ist es sich auf Risiken und Hindernisse einzustellen und gedanklich darauf vorzubereiten, praktikable Lösungswege zu suchen und die Bereitschaft zu entwickeln sich anzustrengen. Im Leben wird einem kaum etwas geschenkt und das muss man sich bewusst machen, sonst wartet man ein Leben lang vergeblich.

6.Fokus auf Gelungenes

Hat man in seinem Leben aber dennoch offensichtlich versagt, ist es sehr hilfreich den Fokus darauf zu legen was man selbst durch das Versagen gewonnen hat zB. Einsicht, Erfahrung, Erkenntnisse oder auch die eine oder andere neue Freundschaft.

“ Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht.” M.von Ebner Eschenbach

7.Stärken hervorheben

Wo liegen die persönlichen Stärken? Positives resilistisches Selbstbild entwerfen, Urvertrauen stärken, ich schaffe meine Aufgaben! Was hab ich in der Vergangenheit schon alles geschafft?

8.Ruhe bewahren

Nicht hilfreich ist es eine kritische Situation schön zu reden oder gar in schwierigen Situationen in Panik zu geraten. Mit klarem Verstand lassen sich Zusammenhänge viel leichter analysieren und auch verstehen. Entwickeln Sie Perspektiven, die über die Krise hinausgehen und schlagen Sie sich nicht unnötig mit dem Kurieren der Symptome herum.

9.Hoffnung als Prinzip

Geben Sie niemals die Hoffnung auf! Wenn man den eigenen Ängsten zu viel Raum gibt, können sie einen leicht übermannen…Machen Sie sich lieber Gedanken darüber wie sich die Dinge zum Guten wenden können? Wie könnte Ihr Leben idealerweise in 5, 10, 15 Jahren aussehen?

10.Auf sich Acht geben

Im Trubel des Leides und der Verzweiflung ist es nur allzu leicht auf seine eigenen Bedürfnisse zu vergessen.

Deshalb ist es wichtig:

  • Eigene Grenzen kennen und diese akzeptieren
  • Nicht so viel von sich selbst fordern
  • Zonen der Ruhe schaffen die unantastbar sind
  • Welche Kraftquellen gibt es in meinem Leben?
  • Gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung an frischer Luft

Finden Sie heraus was Ihnen am meisten Kraft gibt und wie Sie am besten zur Ruhe kommen können!

Was macht den Menschen aus?

Viktor Frankl spricht von 3 Dimensionen die den Menschen speziell ausmachen. Die körperliche Dimension, die psychische Dimension und die geistige Dimension wobei der Mensch gerade in Krisenzeiten auf seine geistige Dimension zurückgreifen kann.

Laut V. Frankl sind nicht bestehende oder nicht vorhandene Krisensituationen im Leben ausschlaggebend, sondern die Selbstgestaltungsfähigkeit des Menschen Kraft seiner geistigen Dimension.

Mit anderen Worten, der Mensch kann das Eintreten eines Schicksalschlages in sein Leben nicht beeinflussen, wohl aber das Umgehen mit dieser Situation. Dies wird in der Logotherapie auch Einstellungsmodulation genannt, das Schicksal selbst ist nicht veränderbar, die Einstellung dazu sehr wohl. Der Mensch ist seinem Schicksal nie gänzlich ausgeliefert, er hat aber die Freiheit seine persönliche Einstellung dazu zu modellieren.

Ein noch so schweres Schicksal kann immer als Lebensherausforderung verstanden werden. Im Leiden einen Sinn zu finden, stellt einen der höchsten Zustände der geistigen Transzendenzmöglichkeiten des Menschen dar und manchmal liegt der Sinn nur mehr darin, im Leiden ein Vorbild für andere zu sein.

Zusammenfassend betrachtet

  • Resilienz ist immer ein dynamischer Prozess und sehr oft abhängig von der Situation in der sich eine Person befindet. Oft reagieren Menschen in bestimmten Traumen bemerkenswert resilient, in anderen aber fehlen ihnen Bewältigungstrategien.
  • Resilienz ist die Fähigkeit nach einem Trauma weiterzumachen anstatt sich im Leid aufzugeben.
  • Resilienz bedeutet die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und nicht seinem Schicksal ausgeliefert zu sein.
  • Es gibt äussere und innere Schutzfaktoren. Innere: Freundlichkeit, Fröhlichkeit, Werte, Glaube, Hoffnung. Äussere: Angehörige, Freunde, Kollegen, positive Vorbilder, Bildung, Dienst am Nächsten
  • Hilfreich ist es sich NICHT die Frage zu stellen: Warum passiert das mir? SONDERN: Wozu passiert das mir? Was kann ich daraus lernen?
  • Das Kritische ist nicht was einem passiert, sondern wie man darauf antwortet.
  • Resilienz ist viel mehr als nur positives Denken.
  • Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, sich nicht selbst ausgeliefert sein. Sich selbst etwas zutrauen.

Bilder: Mit freundlicher Genehmigung von pixabay.

Inhalt: Auszüge des Artikels basieren auf der Diplomarbeit von Manuela Hofer zum Thema: Resilienz in der Psychosozialen Beratung.

« zurück zur Blogübersicht